Konzert in der Parkresidenz Alstertal
Erdige Beats begeisterten mit Soul-und Jazzpower
Poppenbüttel (mp). Als „Traum-Trio“ kündigte die Kulturmanagerin Marina Herbst die Musiker in der Parkresidenz an. Begrüßen konnte sie zum dritten Mal in diesem Haus den Jazzpianisten und Komponisten Rainer Schnelle mit seinem Trio, dazu gehören Thomas Himmel am Schlagzeug sowie der Kontrabassist Frank Skriptschinski, hinzu kam der Soulsänger Mel Edmondson.
Bei dieser Gruppe wird ein Hauch von Nostalgie spürbar. Die Musiker spielen bekannte Klassiker als Cover-Versionen und legen eine vielfältige Palette von Jazz und Soul auf. Es sind aber mehr, als nur wohlklingende und harmonierende Songs, die eine Botschaft transportieren. Schnell wird klar, dass diese Formation der Musiker keine „Nachplauderer“ von ausgesuchten Perlen sind, sondern als Selbstdenker jeden Song zu neuem Leben erwecken. Sei es von den Beatles „Come Together“, von Gilbert O’Sullivan „Nothing Rhymed“, von Ray Charles „Georgia On My Mind“ oder „Summer In The City“ von John Sebastian. Überzeugend gestalten sie Ohrwürmer, machen sie zur Grundlage eigener künstlerischer Herausforderungen und geben den Titeln als spannungsvolle Arrangements ihren eigenen kreativen Sound. Mal mit feinfühlig schwebenden Melodien, dann wieder mit stimmungsvoll geladenen Passagen kreieren die Musiker ein abwechslungsreiches und dennoch in sich klares Gesamtbild aus hochklassiger Musik. Allen voran beeindruckt Mel Edmondson mit der ganzen Beweglichkeit seiner warmen Stimme.
Die Musiker berühren die Hörer durch leidenschaftliche Melodien und begeistern durch feurige Rhythmen. Es brauchte nicht lange, und das Publikum wippte, schnippte oder sang sogar leise mit. Vor allem aber gibt es Stimmen, die unter die Haut gehen: Mel Edmondson hat eine solche, die diesen ungewöhnlich klanglichen Reiz ausmacht. Dazu hat er, der übrigens als ausgebildeter Tänzer aus Musicals wie Buddy Holly oder Dirty Dancing bekannt ist, schon dadurch eine faszinierende Bühnenpräsenz. Auch durch Erläuterungen zu den Songs baut er eine verbindliche Art zum Publikum auf. Neben Weltstars wie Harry Bellafonte, Diana Ross oder Quincy Jones stand der Sänger auf der Bühne und führt die Hörer bei aller Geschmeidigkeit seiner Stimme mit jedem Lied in eine andere Klanglandschaft. Dieser Sänger macht keine Musik, er lebt sie. Das Fundament schaffen die drei Musiker am Flügel, dem Kontrabass und Schlagzeug und begegnen dabei den Stilistiken des Jazz mit beeindruckender Leichtigkeit.
Mit Drive und sicheren Läufen, dabei auch mit jazzigen Soli war Rainer Schnelle als Tastenvirtuose zu erleben. In den Jahren 1982 bis 1987 begleitete er die weltbekannte amerikanische Sängerin Eartha Kitt als Pianist und war musikalischer Leiter ihrer Konzerte. Neben zahlreichen Auftritten und Tonträger-Veröffentlichungen arbeitete er mit namhaften Künstlern wie Herb Geller, Ulrich Tukur, Hildegard Knef, Evelyn Künneke, Inga Rumpf, Bill Ramsey und anderen zusammen. Als Preisträger internationaler Wettbewerbe und Mitglied beim NDR-Sinfonieorchester ist auch Frank Skriptschinski kein Unbekannter, und Thomas Himmel ist von Festivals und Jazzclubs bestens bekannt.
Fast traurig, dass das Konzert nach mehreren Zugaben nun wirklich zu Ende war. Es war wieder einmal ein mitreißender Höhepunkt in der Parkresidenz. Bleibt zu hoffen, dass es schon bald ein Wiedersehen mit den erfrischenden Jazz- und Soulmusikern gibt.